Kein Thema beherrscht unser Leben im Jahre 2020 so sehr wie das Thema COVID-19, besser bekannt unter Corona. Nicht nur unser Leben wurde urch den Ausbruch der Pandemie nachhaltig beeinflusst, auch die Börsen starteten zu Beginn der Krise einen steilen Sturzflug. Zwar waren die Dynamik sowie das Ausmaß der Kursverluste bislang beispiellos, jedoch aus börsentechnischer Sicht betrachtet nicht wirklich verwunderlich.

Die Corona-Krise

Wie Du weißt, spiegelt der Börsenkurs stets die Gewinnerwartung eines Unternehmens wider. Rechnen Unternehmen und Marktteilnehmer mit stark sinkenden Gewinnen, so verlieren folglich auch die Aktien an Wert. Insbesondere die Unsicherheit, die im März herrschte, war Gift für die Märkte.

Unsichere oder sinkende Unternehmensgewinne führen fast zwangsläufig zu fallenden Börsenkursen

Warum Das kannst Du Dir am besten anhand einer vermieteten Immobilie vorstellen. Stell Dir vor, die gehört eine Eigentumswohnung und Du kannst diese problemlos zu 1.000 Euro monatlich vermieten. Damit wird sie beim Verkauf einen höheren Preis erzielen, als wenn maximal 500 Euro monatlicher Mietertrag realistisch erscheinen.

Wird nun auf der einen Seite der Wohnung eine Autobahn gebaut und auf der anderen Seite eine Chemie-Fabrik errichtet, wird die Wohnung kaum noch für 1.000 Euro zu vermieten sein. Erscheinen nur noch 500 Euro realistisch, so wird sich der Kaufpreis zumindest theoretisch halbieren.

Preisentwicklung bei Mietsenkung - Corona-Krise und Wirtschaft 2020

Ertragswert versus Substanzwert

Im Gegensatz zu einer eigengenutzten Immobilie, deren Wert häufig auf Basis der Substanz – sprich: Wohnfläche, Grundstücksgröße, Bauform, Ausstattung, Lage – ermittelt wird, kommt bei Mietobjekten meist das Ertragswertverfahren zur Anwendung. Ähnlich wie bei Aktien wird die Miete mit einem Faktor multipliziert, um damit einen realistischen Verkaufspreis zu ermitteln. Gehen wir von einer Mietrendite von z.B. 5% aus, so wird die Jahresmiete einfach mit 20 multipliziert. Bei einer Monatsmiete in Höhe von 1.000 Euro ergibt sich eine Jahresmiete von 12.000 Euro, woraus sich ein potenzieller Verkaufspreis von 240.000 Euro ergibt. Halbiert sich die erzielbare Monatsmiete auf 500 Euro, so ergibt sich eine Jahresmiete von 6.000 Euro und damit ein möglicher Verkaufspreis von 120.000 Euro.

Wie ist das nun auf Unternehmen und Börsenkurse zu übertragen?

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen viele Unternehmen massive Gewinneinbrüche. Durch Stillstände in vielen Fabriken, Unterbrechungen der Lieferketten, ein verändertes Verbraucherverhalten und nicht zuletzt wegen der Schließung vieler Geschäfte kam das Wirtschaftsleben vielerorts praktisch zum Erliegen. Dabei sind die verschiedenen Branchen unterschiedlich stark betroffen, manche Unternehmen profitieren sogar von der Pandemie. Nichtsdestotrotz war besonders im März zu beobachten, dass fast alle Aktien in Sippenhaft genommen wurden und es kaum Werte gab, die sich dem allgemeinen Börsenabsturz entziehen konnten. Grund dafür war die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sowie die Angst vor sinkenden Unternehmensgewinnen. Aufgrund der eingebrochenen Gewinne ließen auch Dividendenkürzungen nicht lange auf sich warten. Viele Unternehmen haben bislang Ihre Dividenden gekürzt oder ganz gestrichen, um Ihre Liquidität zu schonen. Das ist ungefähr so, als ob Deine Eigentumswohnung plötzlich keine Miete mehr abwirft.

Wie sind solche Umstände einzuschätzen? Inwieweit sollten derartige Situationen Deine langfristige Strategie beeinflussen?

Kommen wir zurück zur vermieteten Eigentumswohnung, die zu einer Kaltmiete von 1.000 Euro pro Monat vermietet ist. Die Kaltmiete zahlst Du Dir sozusagen komplett als Dividende aus. Kündigt nun der Mieter, wirst Du Deine Dividendenzahlungen zumindest so lange zurückstellen müssen, bis Deine Wohnung wieder vermietet ist. Zieht dann ein neuer Mieter ein, kannst Du eigentlich direkt wieder die 1.000 Euro Miete als Dividende entnehmen. Unter Umständen beschließt Du aber auch, eine gewisse Zeit lang keine Dividende zu entnehmen, um Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden. Vielleicht zahlst Du Dir auch nur eine niedrigere Dividende, z.B. 800 Euro und nutzt die Differenz von 200 Euro zur Ansparung einer Reserve, bevor Du die Dividende irgendwann wieder auf das ursprüngliche Niveau von 1.000 Euro erhöhst. So bist Du in der Lage, künftig auch bei einem vorübergehenden Leerstand eine konstante Dividende zu entnehmen.

Welcher Anteil der Gewinne wird an die Investoren ausgezahlt?

Als Vermieter entscheidest Du allein, welchen Anteil der Miete Du für Deine privaten Zwecke entnimmst. Ebenso können Unternehmen festlegen, welchen Anteil des Gewinns sie als Dividende auszahlen und wie viel für Investitionen und Geschäftserweiterungen im Unternehmen verbleiben soll. Die unterschiedlichen Strategien spiegeln sich in der Ausschüttungsquote wider. Diese Kennzahl drückt aus, wie viel % vom Unternehmensgewinn als Dividende ausgezahlt werden. Je höher niedriger das Ausschüttungsverhältnis, umso flexibler sind in der Regel die Unternehmen, da ein niedriges Ausschüttungsverhältnis die Liquidität schont.

Unterschiede bei Ausschüttungsverhältnis Aktien Dividenen Dividendenpolitik - Corona-Krise und Wirtschaft 2020

Unternehmen A zahlt 100% seiner Gewinne an die Aktionäre aus. Damit verbleibt kein Spielraum, um Reserven zu bilden oder in den weiteren Ausbau des Geschäftes zu investieren. Das andere Extrem siehst Du bei Unternehmen D, das überhaupt keine Dividende auszahlt, und somit seine gesamten Gewinne für Investitionen und gewinnsteigernde Maßnahmen aufwenden kann. Die Unternehmen B und C hingegen verfolgen eine eher konservative Dividendenstrategie, die einerseits genügend Kapital für Investitionen vorsieht, andererseits aber auch genügend Spielraum für zukünftige Dividendensteigerungen lässt. Welche Dividendenstrategie ein Unternehmen wählt, hängt größtenteils von der Branche und dem damit verbundenen Investitionsbedarf ab.

Der Zusammenhang zwischen Dividende und Reserve/Liquidität

Die erzielten Gewinne sowie die bestehenden Liquiditätsreserven entscheiden über den Spielraum, eine Dividende zu entnehmen. Sinken die Gewinne überraschenderweise, kann das bisherige Dividendenniveau dank der Liquiditätsreserven zumindest vorübergehend aufrechterhalten werden. Ein vorübergehender Gewinneinbruch bzw. ein Mieterwechsel sind somit grundsätzlich nichts Schlimmes. Entscheidend ist, dass das Geschäftsmodell weiterhin funktioniert bzw. die Wohnung weiterhin vermietbar ist. Das ist ungefähr so, wie wenn Du unerwartet Deinen Job verlierst. Wenn Du 20.000 Euro Reserven hast, kannst Du auch ohne Gehalt weiterhin Deine Rechnungen über einen bestimmten Zeitraum bezahlen. Wichtig ist, dass gute Aussichten bestehen, bald wieder einen neuen Job zu finden und damit ein regelmäßiges Einkommen zu erzielen.

Was passiert, wenn das Geschäftsmodell nachhaltig beschädigt ist?

Ein Problem besteht jedoch dann, wenn die Geschäftsgrundlage nachhaltig geschädigt ist. Wenn z.B. Mietnomaden Deine Wohnung derart verwüstet haben, dass diese aufwendig restauriert werden muss, bevor Du sie wieder vermieten kannst, ist Deine Dividende nachhaltig in Gefahr. Nichts anderes ist es bei Unternehmen, die z.B. den laufenden Fortschritt verschlafen und deren Gewinne somit dauerhaft zu schwinden drohen.

Es kommt also auf das individuelle Unternehmen an

Auch wenn viele Unternehmen momentan die Dividenden kürzen, sind in den meisten Fällen die Geschäfte, die Waren und die Kunden weiterhin vorhanden. Sobald sich dich Lage vollständig normalisiert und wieder Ruhe einkehrt, werden viele Unternehmen vermutlich wieder auf demselben Niveau operieren, wie vor der Krise. Ein Schnellrestaurant erzielt während des Corona-Lockdowns keine oder nur sehr geringe Umsätze, was katastrophale Quartalszahlen nach sich ziehen wird. Sobald aber die Filialen wieder komplett öffnen und der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann – und dies wird früher oder später der Fall sein – werden die Kunden zurückkommen und Umsätze und Gewinne wieder in die Höhe treiben. Solange jedoch Hygienebeschränkungen gelten, die die Geschäfte einschränken, werden die Gewinne jedoch noch auf einem niedrigeren Niveau bleiben.

Hat das Unternehmen noch eine Zukunft?

Um diese Frage zu beantworten, musst Du einerseits einschätzen, ob das Geschäftsmodell auch in Zukunft Gewinne verspricht, andererseits aber auch überlegen, ob das Unternehmen mit den bestehenden Reserven überhaupt in der Lage ist, die Zeit bis zu einer besseren Zukunft mithilfe der bestehenden Reserven zu überbrücken. So sind z.B. in der Tourismusbranche die Umsätze teilweise auf null zurückgefallen, während die Kosten fast unverändert weiterhin weiterlaufen. Flugzeuge und Schiffe sind sehr teuer im Unterhalt. Werden auf der anderen Seite keine Gewinne erzielt, werden nach und nach die Reserven aufgezehrt. Entscheidend ist einzig und allein, dass es nicht zu lange dauert, bis wieder Umsätze generiert und Gewinne erzielt werden.

Liquidität ist überlebensnotwendig

Wie Du siehst, ist es überlebensnotwendig, neben einem nachhaltigen Geschäftsmodell auch über ausreichend Reserven zu verfügen. Dies gilt für Dich persönlich ebenso wie für jedes Unternehmen. Und um genau diese Reserven zu schonen, kürzen manche Unternehmen nun die Dividende oder setzten diese ganz aus. Ich persönlich freue mich über jede Dividendenzahlung, die auf meinem Konto eingeht. Trotzdem bin ich gerne bereit, auf eine Dividendenzahlung von einigen wenigen Euro zu verzichten, wenn dadurch «meinem Unternehmen» mehrere hundert Millionen EURO an Liquidität erhalten bleiben und das Überleben der Gesellschaft damit gesichert werden kann.

Beachte auch: Dividenden sind keine Gewinne

Weiterhin muss hier wieder daran erinnert werden, dass Dividendenzahlungen keine Gewinne oder Einkünfte im eigentlichen Sinne sind, sondern lediglich eine Umbuchung zwischen Gesellschafts- und Privatvermögen. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht, sinkt bei jeder Dividendenzahlung der Aktienkurs ziemlich genau um den Betrag der Dividende. Wird die Dividende hingegen gestrichen, erfolgt somit auch kein Kursabschlag. Dem Anleger geht somit kein Geld verloren, er wird es lediglich nicht als Zufluss von Barmitteln auf seinem Konto wahrnehmen, sondern im Unternehmen verbleiben

. Schonen Unternehmen in der aktuellen Phase also ihre Liquidität, indem sie vorübergehend auf Dividendenzahlungen verzichten, so sollte man dies nicht per se negativ sehen, sondern auch die daraus erwachsenden Chancen für das Unternehmen und damit für Dein Aktienkapital sehen.

Unterschiedliche Kursentwicklung aufgrund des Dividendenabschlags - Corona-Krise und Wirtschaft 2020

Wo stehen wir aktuell?

Seit dem Tiefpunkt im März haben sich die Kurse wieder stark erholt, manche Indizes haben sogar neue Allzeithochs erklommen. Nichtsdestotrotz geht die Sorge um, dass eine zweite Corona-Welle die Wirtschaft erneut lahmlegen und die Aktienkurse wieder auf Talfahrt schicken könnte. Es tut immer weh, wenn Du siehst, wie sich Dein Depotwert Tag für Tag reduziert. Wenn Du jedoch über genügend Liquidität verfügst, um auch während eines Crashs qualitativ hochwertige Aktien – beispielsweise mittels eines automatischen Sparplans – günstig einzukaufen, kann die Krise für Dich zu einer echten Chance werden. Viele erfolgreiche Investoren behaupten, dass der Grundstein für besonders große Vermögen stets in einer Krise gelegt wurde, in der andere in Panik verfielen und verkauften, statt antizyklisch zu handeln und die günstigen Kurse zum Kauf zu nutzen. Daher ist es ganz egal, wo wir in der aktuellen Krise stehen: erstens kann sowieso niemand dies genau wissen, zweitens kannst Du die Krise zu Deinen Gunsten nutzen, wenn Du durch regelmäßige Sparpläne

sukzessive in den Aktienmarkt investierst.

Wie geht es nach Corona mit der Wirtschaft weiter - Corona-Krise und Wirtschaft 2020

 

Das Erfolgsgeheimnis: Langfristig denken

Meiner Meinung nach ist es das Beste, in der aktuellen Situation einfach auf Autopilot zu schalten und so wenig wie möglich aktiv einzugreifen. Vor allem solltest Du nicht in Panik verfallen und wahllos all Deine Aktien und Aktien-Fonds verkaufen. Bestehende Sparpläne solltest Du in jedem Fall weiterlaufen lassen und – falls möglich – sogar erhöhen.

Wer langfristig denkt, und sein Geld für einige Jahre nicht benötigt, kann fallende Kurse durchaus zum Nachkaufen nutzen. Keinesfalls solltest Du versuchen, auf kurzfristige Bewegungen -sowohl nach oben als auch nach unten – zu spekulieren. Dies kann funktionieren oder auch schiefgehen, hat jedoch nichts mit solidem Investieren zu tun. Ebenso, wie niemand erwartet hat, dass die Kurse aufgrund der Pandemie so stark und schnell fallen, hat wohl kaum jemand damit gerechnet, dass sich die Märkte innerhalb von vier Monaten in einer beispiellosen Rallye wieder weitestgehend erholen. Dies zeigt einmal mehr, dass es schier unmöglich ist, die Entwicklung an den Märkten vorauszusehen und diese Schwankungen mittels einer gezielten «Timing-Strategie» auszubeuten. Setzt Du hingegen auf einen Sparplan, dann kaufst Du regelmäßig, konsequent und unabhängig von irgendwelchen Marktbewegungen. Damit profitierst Du langfristig vom Cost-Average-Effekt, insbesondere wenn die Kurse im Zuge einer zweiten Corona-Welle wieder nachgeben sollten. Irgendwann wird das Thema «Corona» der Geschichte angehören es wird wieder Ruhe einkehren.

Vielleicht eine einmalige Chance

Wie bereits erwähnt kann die aktuelle Situation eine einmalige Chance sein, um langfristig den Grundstein für ein größeres Vermögen zu legen. Dies ist eine Gemeinsamkeit, die alle Krisen haben. Ob Crash am Neuen Markt, Bankenkrise oder Schuldenkrise: die dramatischen Kursstürze waren stets gefolgt von einem längeren Aufschwung, der die vorübergehenden Verluste stets mehr als wettgemacht und in große Gewinne verwandelt hat. Es spricht einiges dafür, dass auch die Corona-Krise irgendwann vorübergeht. Auch eine eventuell zweite Welle wird daran nichts ändern. Natürlich weiß niemand, wann genau dies geschehen wird. Bis dahin heißt es: Langfristig denken.

Viele weitere Tipps, wie Du durch nachhaltiges und langfristiges Denken zu einer ganzheitlichen Finanzstrategie gelangst, findest Du in unserem neuen Buch.

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